Ernährung von Jungpferden: Fundament für ein gesundes Pferdelebenhrung
Ernährung von Jungpferden einfach erklärt: Raufutter, Mineralstoffe, Eiweiß und Energiequellen für gesundes Wachstum ohne Risiken.
Die Ernährung von Jungpferden ist ein derart sensibles Thema, dass selbst erfahrene Züchter oft zweimal hinschauen. Jungpferde befinden sich in einer entscheidenden Wachstumsphase, die ihren Körper lebenslang prägt. Knochenwachstum, Gelenkentwicklung, Muskulatur und Immunsystem hängen davon ab, ob das Fohlen, der Jährling oder das zweijährige Pferd die richtige Fütterung erhält. Fehler, die in diesen ersten Jahren entstehen, können später kaum noch vollständig korrigiert werden. Gleichzeitig ist Überversorgung genauso gefährlich wie Mangel. Ziel ist eine gleichmäßige, harmonische Entwicklung ohne Wachstumsschübe, die den Bewegungsapparat unnötig belasten.
In diesem Beitrag erfährst du, wie eine moderne, gesunde und praxisnahe Fütterung für Jungpferde aufgebaut ist und wie du typische Fehler vermeidest. Denn die Ernährung in den ersten Jahren entscheidet darüber, ob aus einem vielversprechenden Jungpferd später ein tragfähiges, leistungsbereites und gesundes Reitpferd wird.
Raufutter als Basis
Auch beim Jungpferd beginnt alles mit hochwertigem Raufutter. Heu und Gras sind die natürlichen Grundlagen, auf denen der gesamte Verdauungstrakt aufgebaut ist. Jungpferde brauchen konstant verfügbare Rohfaser, um ein stabiles Darmmikrobiom aufzubauen. Der Darm verändert sich in den ersten Jahren stark und muss lernen, Futter effizient zu verwerten. Hochwertiges Heu stabilisiert nicht nur die Verdauung, sondern unterstützt auch ein ruhiges Verhalten.
Die Qualität des Raufutters ist besonders wichtig. Staubarmes, strukturiertes Heu trägt zur Entwicklung von Atemwegen und Verdauung bei. Schimmeliges oder verunreinigtes Heu kann das junge Pferd früh empfindlich machen und Atemwegsprobleme fördern. Eine Ration von etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht gilt als guter Maßstab. Jungpferde mit viel Bewegung auf Weide oder Paddock benötigen mehr Energie aus Raufutter und profitieren von kontinuierlichem Zugang zu frischem Gras.
Ausgewogenes Wachstum statt schneller Entwicklung
Viele Besitzer wünschen sich ein kräftiges Jungpferd mit viel Substanz, doch zu schnelles Wachstum ist eine der häufigsten Ursachen für spätere Gelenkprobleme wie Osteochondrose. Die Ernährung sollte darauf ausgerichtet sein, gleichmäßiges Wachstum zu unterstützen. Dazu gehört die richtige Balance aus Energie, Eiweiß und Mineralstoffen.
Ein Jungpferd braucht deutlich mehr Nährstoffe als ein erwachsenes Pferd, aber weniger als oft angenommen. Zu energiereiches Futter kann Wachstumsschübe auslösen, während ein Mangel den Körper schwächt und das Immunsystem beeinträchtigt. Ziel ist es, Muskelaufbau, Skelettentwicklung und Gelenkgesundheit in einem harmonischen Tempo zu begleiten.
Eiweiß und Aminosäuren
Eiweiß ist entscheidend für Muskelaufbau und Zellwachstum. Jungpferde benötigen hochwertige Eiweißquellen mit gut verfügbarer Qualität. Besonders wichtig sind essenzielle Aminosäuren wie Lysin und Methionin, da sie für den Muskelaufbau und das Knochenwachstum unverzichtbar sind.
Zu viel Eiweiß ist jedoch nicht nur unnötig, sondern kann den Stoffwechsel belasten. Hochwertige Luzerne, spezielle Jungpferdemineralfutter oder proteinbetonte Müsliarten liefern in der Regel ausreichende Mengen. Der Fokus sollte immer auf Qualität statt Quantität liegen.
Mineralstoffe und Spurenelemente
Für Jungpferde ist die Mineralstoffversorgung das Herzstück der Ernährung. Die Entwicklung von Knochen und Gelenken hängt größtenteils davon ab, ob Calcium, Phosphor, Magnesium, Zink, Mangan und Kupfer im richtigen Verhältnis zur Verfügung stehen.
Calcium und Phosphor bestimmen die Knochenstabilität. Ein falsches Verhältnis wirkt sich unmittelbar auf die Skelettentwicklung aus. Kupfer und Zink sind zentral für Bindegewebe, Hufe und Immunfunktion. Ein Jungpferd, das ausreichend mit diesen Spurenelementen versorgt ist, zeigt gleichmäßiges Wachstum, gute Hufqualität und ein starkes Immunsystem.
Die Qualität des Mineralfutters ist entscheidend. Produkte, die speziell auf das Wachstum ausgerichtet sind, bieten häufig die bessere Balance als allgemeine Mineralmischungen für erwachsene Pferde.
Energiequellen gezielt wählen
Jungpferde sollen weder zu dünn noch zu kräftig sein. Die Energiezufuhr hängt stark von Haltung, Bewegung und Körperbau ab. Ein Pferd, das täglich viele Stunden auf großen Weiden läuft, benötigt mehr Energie als ein junges Pferd im Paddock mit begrenzter Bewegung.
Getreide ist nicht grundsätzlich schlecht, sollte aber mit Bedacht eingesetzt werden. Hafer ist gut verdaulich und kann kleinen Mengen beigemischt werden, wenn das Jungpferd Energie braucht. Eine übermäßige Stärkezufuhr kann das Darmmilieu destabilisieren und Wachstumsschübe auslösen. Faserbasierte Energie aus Rübenschnitzeln oder Luzerne ist schonender und unterstützt die Verdauung.
Fütterung in den verschiedenen Altersstufen
Fohlenphase
In den ersten Lebensmonaten ist die Muttermilch die wichtigste Energiequelle. Ab dem dritten Monat beginnen Fohlen, Raufutter und kleine Portionen Kraftfutter aufzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt muss ein ausgewogenes Jungtiermineralfutter angeboten werden.
Absetzphase
Der Stress des Absetzens ist für viele Fohlen eine Herausforderung. Eine ruhige Umgebung, konstante Fütterung und ausreichend Raufutter stabilisieren den Verdauungstrakt. Mineralien und hochwertige Eiweißquellen unterstützen den Übergang.
Jährlinge und Zweijährige
In dieser Phase wächst das Pferd sichtbar. Das Futter sollte nicht zu energiereich sein, aber ausreichend Nährstoffe liefern. Zu schnelles Wachstum ist unbedingt zu vermeiden. Die Qualität des Raufutters und die Mineralstoffversorgung sind jetzt wichtiger als jede Form von Kraftfutter.
Wasser und Salz
Frisches Wasser sollte jederzeit erhältlich sein. Jungpferde trinken oft weniger als erwachsene Pferde, brauchen aber dennoch konstante Flüssigkeitszufuhr für Verdauung und Stoffwechsel. Ein Salzleckstein gehört immer zur Grundversorgung.
Haltung und Bewegung als Teil der Fütterung
Die Ernährung eines Jungpferdes funktioniert nur dann optimal, wenn Haltung und Bewegung passen. Große Flächen, artgerechte Sozialkontakte und tägliche Bewegung fördern den Stoffwechsel und unterstützen gesunde Gelenke. Bewegung ist ein entscheidender Baustein für ein stabiles Skelett und wirkt dem Risiko für Gelenkprobleme entgegen.
Typische Fehler vermeiden
Zu energiereiches Futter ist einer der größten Fehler. Ein weiteres Risiko besteht darin, Mineralien zu vernachlässigen oder unpassende Futtermittel zu verwenden, die nicht für Jungpferde ausgelegt sind. Unregelmäßige Fütterung, schlechtes Heu oder fehlende Kontrolle des Körperzustands führen ebenfalls zu Problemen.
Fazit
Die Ernährung von Jungpferden ist ein Balanceakt zwischen ausreichender Versorgung und Vermeidung von Überfütterung. Hochwertiges Raufutter, ein auf Wachstum ausgelegtes Mineralfutter, ausgewogene Eiweiß- und Energiequellen sowie eine ruhige, strukturierte Haltung bilden die Grundlage für eine gesunde Entwicklung. Wer diese Bausteine konsequent umsetzt, schafft die besten Voraussetzungen für ein Pferdeleben voller Kraft, Gesundheit und Leistungsbereitschaft.
