CBD für Pferde: Sanfte Unterstützung für Körper und Pferdeseele
Wenn wir den Stall betreten und uns das leise Schnauben unseres Herzenspferdes entgegenhallt, wissen wir: Diese Verbindung ist etwas ganz Besonderes. Wir als Pferdemenschen setzen alles daran, dass es unseren Vierbeinern gut geht. Doch im Alltag mit Pferden begegnen uns immer wieder Herausforderungen, so geht es mir mit unserem Konik auch ab und zu. Viele Pferde sind nervös wenn sie einen Hänger nur sehen, manche plagen auch die steifen Knochen im Alter oder der Stress beim Stallwechsel.
In den letzten Jahren hat ein Wirkstoff aus der Natur besonders viel Aufmerksamkeit in der Pferdehaltung und Pflege bekommen: CBD. Doch was steckt wirklich hinter dem Hype um das Hanf-Extrakt? Kann es unseren Pferden wirklich zu mehr Gelassenheit und Wohlbefinden verhelfen, ohne die Persönlichkeit zu verändern?
In diesem Beitrag tauchen wir tief in die Welt des Cannabidiols ein und klären, wie du CBD sicher und effektiv für dein Pferd nutzen kannst.
Was genau ist CBD eigentlich?
Zuerst einmal zur Entwarnung: CBD (Cannabidiol) macht dein Pferd nicht „high“. Es wird zwar aus der Hanfpflanze gewonnen, ist aber das nicht-psychoaktive Gegenstück zum bekannten THC. Während THC berauschend wirkt, wird CBD für seine beruhigenden, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften geschätzt.
Pferde besitzen, genau wie wir Menschen und alle anderen Säugetiere, ein sogenanntes Endocannabinoid-System (ECS). Dieses komplexe Netzwerk aus Rezeptoren zieht sich durch den gesamten Körper vom Gehirn über das Immunsystem bis hin zu den Organen. Das ECS ist maßgeblich dafür verantwortlich, den Körper im Gleichgewicht zu halten (Homöostase). CBD interagiert mit diesen Rezeptoren und kann so regulierend auf Stressreaktionen und Entzündungsprozesse einwirken.
Die Einsatzgebiete: Wo CBD im Pferdealltag helfen kann
Die Anwendung von CBD ist vielseitig und passt perfekt in ein ganzheitliches Konzept der Pferdepflege.
1. Gelassenheit in stressigen Momenten
Pferde sind Fluchttiere. In der freien Natur sicherte ihnen ihre Wachsamkeit das Überleben, doch in unserer modernen Welt führen Dinge wie Silvesterböller, Schmiedbesuche oder lange Fahrten oft zu Dauerstress. CBD kann hier helfen, die „Zündschnur“ wieder etwas zu verlängern. Es unterstützt das Pferd dabei, in stressigen Situationen ansprechbar zu bleiben, ohne es schläfrig zu machen.
Lies passend dazu auch unseren Beitrag über Bachblüten bei Tieren und speziell beim Pferd:
2. Unterstützung des Bewegungsapparats
Besonders bei älteren Pferden, die unter Arthrose oder Spat leiden, zeigt CBD oft erstaunliche Resultate. Durch die entzündungshemmende Wirkung kann es die Steifheit am Morgen lindern und die Freude an der Bewegung zurückbringen. Auch bei akuten Schüben, wie etwa bei Hufrehe, wird CBD oft begleitend eingesetzt, um den Schmerzpegel zu senken.
Lies dazu passend meinen Beitrag zur Hufpflege:
3. Magen, Haut und Immunsystem
Stress schlägt Pferden oft auf den Magen. Kotwasser oder Magengeschwüre sind in vielen Ställen ein Thema. Da CBD das Nervensystem beruhigt, profitiert oft indirekt auch die Verdauung. Zudem berichten viele Besitzer von Ekzemern über eine Linderung des Juckreizes bei Sommerekzem, wenn CBD sowohl innerlich als auch äußerlich (als Balsam) angewendet wird.
Worauf du beim Kauf von CBD-Öl achten musst
Nicht jedes Öl ist für Pferde geeignet. Da unsere Vierbeiner sehr sensibel auf Terpene und Rest-THC reagieren können, solltest du auf folgende Punkte achten:
- THC-Gehalt: Dieser muss zwingend unter 0,2 % liegen. Seriöse Anbieter stellen Laboranalysen bereit, die du jederzeit einsehen kannst.
- Vollspektrum vs. Isolat: Ein Vollspektrum-Öl enthält neben CBD auch andere wertvolle Inhaltsstoffe der Hanfpflanze (wie Flavonoide), die den sogenannten „Entourage-Effekt“ bewirken, also die Stoffe verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung.
- Trägeröl: Hanföl ist die natürlichste Wahl für Pferde, da es ein optimales Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren liefert.
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Dosierung: So startest du richtig
Jedes Pferd reagiert individuell. Ein nervöses Vollblut benötigt unter Umständen eine andere Dosis als ein gemütlicher Kaltblüter.
Die Faustregel lautet: Low and Slow.
- Beginne mit einer niedrigen Dosis (ca. 10–20 mg CBD pro Tag).
- Beobachte dein Pferd über 3–5 Tage genau. Achte auf Kleinigkeiten: Gähnt es öfter? Wirkt der Blick entspannter?
- Erhöhe die Dosis alle paar Tage schrittweise, bis der gewünschte Effekt eintritt.
Für ein durchschnittliches Großpferd (600 kg) liegt eine Erhaltungsdosis oft bei etwa 25–50 mg CBD. Bei akuten Problemen kann diese nach Absprache mit einem Tierarzt oder Therapeuten auch höher ausfallen.
Vorsicht bei Turnieren: Die Doping-Falle
Ein ganz wichtiger Punkt für alle Turnierreiter: CBD steht auf der Verbotsliste der FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) und der FEI. Es gilt als kontrollierte Substanz. Wenn du einen Start planst, solltest du das CBD mindestens 48 bis 96 Stunden vorher absetzen, um kein Risiko einzugehen. In der Freizeitgestaltung und bei der täglichen Pflege zu Hause ist es hingegen ein wunderbarer Begleiter.
Fazit: Ein Herz für natürliche Hilfe
CBD ist kein Zaubermittel, das Erziehungsfehler oder eine nicht artgerechte Haltung korrigiert. Aber es ist ein wertvolles Werkzeug in unserem Werkzeugkasten für mehr Tierwohl. Es schenkt unseren Pferden oft genau die Prise Entspannung, die sie brauchen, um sich in unserer Welt sicher zu fühlen.
Am Ende geht es in der Pferdehaltung und Pflege immer um das Gleiche: Wir wollen die Welt durch die Augen unserer Pferde sehen und ihnen ein Leben ermöglichen, das so stressfrei und gesund wie möglich ist. CBD kann ein wunderbarer Weg sein, dieses Ziel auf natürlichem Wege zu unterstützen.
Hier geht es zu den Grundlagen der Pferdefütterung: Pferdefütterung Grundlagen
