Hunde mit Atemproblemen: Warum kurznäsige Rassen im Sommer besonders leiden und was du tun kannst
Wenn die Temperaturen steigen, genießen die meisten Hunde die Sonne und suchen sich nach einer Weile ein kühles Pätzchen. Doch für manche Rassen ist Hitze keine lästige Kleinigkeit, sondern eine ernsthafte Gefahr. Wer schon einmal einen Mops oder eine Französische Bulldogge bei wärmeren Temperaturen beobachtet hat, kennt das Bild: schweres Hecheln, lautes Schnaufen, scheinbar keine Möglichkeit, sich wirklich abzukühlen.
Was viele nicht wissen: Hinter diesem Schnaufen steckt oft keine Eigenart, sondern eine ernsthafte Erkrankung. Das sogenannte Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS, ist bei kurznäsigen Hunderassen weit verbreitet und wird noch immer viel zu oft als rassetypisch abgetan, anstatt als das erkannt zu werden, was es ist: chronische Atemnot.
Was steckt hinter dem Schnaufen? Das BOAS-Syndrom erklärt
Brachyzephalie bedeutet wörtlich übersetzt Kurzschädeligkeit. Bei diesen Hunden wurde der Gesichtsschädel durch gezielte Zucht extrem verkürzt aber das Weichgewebe im Inneren hat sich nicht proportional mitverändert. Das Gaumensegel, die Nasenmuscheln und die Zunge sind genauso groß wie bei anderen Hunden, haben aber viel weniger Platz. Das Ergebnis: zu viel Gewebe auf zu engem Raum.
Die Folge sind verengte Nasenlöcher, verformte Nasenmuscheln, ein zu langes Gaumensegel das in die Atemwege ragt, und in schweren Fällen auch Veränderungen am Kehlkopf. All das zusammen ergibt das BOAS-Syndrom, eine progressive Erkrankung, die sich im Laufe des Lebens in der Regel verschlimmert, nicht bessert. Jeder Atemzug kostet diese Hunde mehr Kraft als bei gesunden Tieren.
Welche Rassen sind besonders betroffen?
Besonders häufig betroffen sind Mops, Französische Bulldogge und Englische Bulldogge. Diese drei Rassen gelten als die am schwersten betroffenen, was auch damit zusammenhängt, dass sie zu den beliebtesten Hunderassen überhaupt zählen und deshalb am intensivsten gezüchtet wurden. Auch Pekinesen und Japan Chin tragen ähnliche Merkmale, ihre platte Nase und der kompakte Schädel führen zu denselben Atemproblemen. Shih Tzu, Boston Terrier und Boxer sind ebenfalls betroffen, wenn auch oft in etwas abgeschwächterer Form.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Hund dieser Rassen ist gleich stark betroffen. Das Ausmaß der Erkrankung ist individuell verschieden. Manche Hunde kommen mit mäßigen Einschränkungen durchs Leben, andere leiden von Anfang an unter starker Atemnot.
Warum ist Hitze für diese Hunde besonders gefährlich?
Hunde können nicht schwitzen wie Menschen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur über das Hecheln, feuchte Luft wird über die Nasenmuscheln und die Mundschleimhaut geleitet, verdunstet und kühlt das Blut dabei ab. Dieses System funktioniert bei gesunden Hunden erstaunlich gut. Bei brachyzephalen Hunden jedoch sind genau diese Strukturen verkleinert, verformt und kaum belüftet. Die Kühlwirkung versagt.
Das bedeutet: Ein Mops oder eine Französische Bulldogge kann sich bei Hitze schlicht nicht effektiv abkühlen. Je wärmer es wird, desto mehr hechelt der Hund. Je mehr er hechelt, desto mehr Kraft kostet ihn jeder Atemzug durch die ohnehin verengten Atemwege. Ein Teufelskreis, der im schlimmsten Fall zum Hitzschlag oder zum Atemstillstand führen kann. Sommerliche Temperaturen können für diese Hunde also lebensgefährlich werden.
Woran erkennst du, dass dein Hund Atemprobleme hat?
Das Heimtückische an BOAS ist, dass viele Symptome so lange als normal gelten, bis der Hund ernsthaft in Not gerät. Lautes Schnarchen, auch im Wachzustand, wird oft als süßes Markenzeichen der Rasse abgetan. Medizinisch betrachtet ist es ein Warnsignal. Weitere Anzeichen sind schnelle Erschöpfung beim Spielen oder Spaziergang, starkes Hecheln auch bei mäßiger Belastung, würgen oder Erbrechen von weißem Schleim sowie unruhiger Schlaf mit häufigem Aufschrecken.
In schweren Fällen kommt es zu blauen oder lila verfärbten Schleimhäuten, was auf Sauerstoffmangel hinweist, und zu Ohnmachtsanfällen bei Belastung oder Aufregung. Manche Hunde können beim Fressen nicht ausreichend Luft holen und hören mitten beim Essen auf. Es gibt Berichte über Hunde, die nur noch sitzend schlafen können, weil sie im Liegen nicht genug Luft bekommen.
Qualzucht: Warum züchtet man solche Hunde überhaupt?
Das ist eine Frage, die man sich stellen muss. Und die Antwort ist unbequem. Kurznäsige Hunde wirken auf viele Menschen kindlich, große Augen, kleines Gesicht, kompakter Körper. Dieser Effekt löst beim Menschen instinktiv Fürsorge und Zunäigung aus. Die Nachfrage nach Mops und Co. ist enorm, und wo Nachfrage ist, wird gezüchtet.
Das Problem: Je extremer die Kurznäsigkeit, desto ähnlicher sieht der Hund einem Menschenbaby aus und desto schwerer sind in der Regel seine Atemprobleme. Jahrhundertelange Zucht auf immer flachere Nasen hat zu Tieren geführt, die ohne menschliche Eingriffe oft nicht überleben können. In Deutschland ist der Begriff Qualzucht gesetzlich definiert: Wenn ein Zuchtmerkmal dazu führt, dass das Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden erleidet, ist die Zucht nach dem Tierschutzgesetz verboten. Für brachyzephale Hunde in ihrer extremsten Form gilt das längst doch die Umsetzung bleibt jedoch schwierig.
Übergewicht verstärkt die Probleme erheblich
Ein weiterer Faktor, der die Situation verschlimmert, ist Übergewicht. Viele brachyzephale Hunde neigen dazu, dick zu werden, teils weil sie sich weniger bewegen können, teils weil ihre Besitzer sie aus Mitleid über Gebühr verwöhnen. Doch jedes überflüssige Kilo belastet die Atemwege zusätzlich. Fettgewebe verengt die Atemwege von innen noch weiter, das Herz muss härter arbeiten, und die Hitzetoleranz sinkt noch einmal deutlich.
Für Besitzer brachyzephaler Hunde gilt deshalb: schlankes Körpergewicht ist keine ästhetische Frage, sondern eine direkte Gesundheitsmaßnahme. Ein Hund, der sein Idealgewicht hält, atmet spürbar leichter und übersteht heiße Sommertage besser.
Was kannst du tun, wenn dein Hund betroffen ist?
Zunächst das Wichtigste: Wenn dein Hund zu einer der betroffenen Rassen gehört, lass ihn von einem Tierarzt auf BOAS untersuchen. Viele Fälle sind durch einen chirurgischen Eingriff, zum Beispiel die Erweiterung der Nasenlöcher oder das Kürzen des Gaumensegels, erheblich verbesserbar. Je früher der Eingriff erfolgt, desto besser die Prognose. Die Atemprobleme verschwinden zwar nie vollständig, können aber deutlich gemindert werden.
Im Alltag helfen folgende Maßnahmen, um die Belastung zu reduzieren: Spaziergänge in die kühlen Morgen- oder Abendstunden verlegen, immer frisches Wasser anbieten, kühle Rückzugsorte schaffen und auf Aktivität bei Hitze weitgehend verzichten. Eine Kühlmatte kann ebenfalls helfen. Den Hund an einem Geschirr statt am Halsband führen ist ebenfalls wichtig, da ein Halsband zusätzlichen Druck auf die Atemwege ausüben kann.
Hinschauen und hören
Das Schnarchen eines Mopses ist kein niedliches Rassemerkmal. Es ist ein Zeichen, dass dieser Hund Luft braucht und sie nicht bekommt. Wer sich für eine kurznäsige Rasse entscheidet, trägt Verantwortung: regelmäßige tierärztliche Kontrolle, ein gesundes Körpergewicht und ein bewusster Umgang mit Hitze sind keine Extras, sondern Grundvoraussetzungen für ein lebenswertes Leben dieser Hunde.
Und wer noch keinen Hund hat und über einen Mops oder eine Französische Bulldogge nachdenkt: Informiere dich vorher gründlich, wähle einen seriösen Züchter, der auf Gesundheit und nicht nur auf äußere Merkmale achtet und überlege, ob nicht auch ein Hund aus dem Tierschutz dein Herz erobern könnte. 🐾
