Ameisen für Wildvögel gehören im Winter zu den wichtigsten Nahrungsquellen überhaupt.
Besonders der Grünspecht hat sich darauf spezialisiert. Selbst unter Schnee oder gefrorenem Boden findet er Ameisennester und frisst täglich mehrere tausend Tiere, um genügend Energie aufzunehmen. Was für uns wie ein ruhender Ameisenhaufen aussieht, ist für viele Tiere im Winter eine versteckte Speisekammer.
Wenn draußen Frost herrscht, wird Nahrung knapp. Insekten verschwinden, Pflanzen ziehen sich zurück und viele Tiere müssen mit deutlich weniger Energie auskommen. Der Winter bedeutet deshalb für Wildtiere oft eine schwierige Zeit. Der Körper verbraucht ständig Energie, um die eigene Wärme zu halten, während gleichzeitig weniger Nahrung verfügbar ist.
Manche Tiere ziehen weg, andere halten Winterruhe. Wieder andere werden erfinderisch und nutzen Quellen, die auf den ersten Blick kaum auffallen.
Warum Ameisen so wertvoll sind
Ameisen wirken klein und unscheinbar. Für einige Tiere sind sie jedoch kleine Energiebündel.
Sie enthalten hochwertiges Eiweiß und Fette, die besonders im Winter wichtig werden. Gerade Fettreserven liefern viel Energie und helfen dabei, den erhöhten Bedarf in kalten Monaten auszugleichen.
Ein einzelnes Tier liefert zwar wenig Nahrung. In einem großen Ameisenbau leben jedoch Tausende bis Millionen Tiere. Genau das macht den Unterschied.
Für einen spezialisierten Jäger ist ein Ameisenhaufen deshalb nicht einfach ein Insektennest, sondern eine langfristige Nahrungsquelle.
Der Grünspecht zum Beispiel lebt fast von Ameisen
Der Grünspecht unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Spechten. Während der Buntspecht häufig an Baumstämmen zu sehen ist, verbringt der Grünspecht erstaunlich viel Zeit am Boden.
Deshalb wird er manchmal auch Erdspecht genannt.
Sein Körper ist perfekt auf diese Lebensweise angepasst. Der Schnabel hilft ihm dabei, den Boden oder Ameisenhaufen zu öffnen. Noch beeindruckender ist allerdings seine Zunge.
Sie kann fast zehn Zentimeter lang werden und besitzt eine klebrige Oberfläche. Damit zieht der Vogel Ameisen und Larven direkt aus engen Gängen.
Selbst unter einer Schneeschicht findet der Grünspecht oft seine Nahrung.
Wie Spechte Ameisen unter Schnee finden
Im Winter verschwinden viele Ameisen tief in ihren Nestern. Trotzdem sind sie für erfahrene Jäger nicht unsichtbar.
Grünspechte nutzen ihre Erfahrung und orientieren sich an kleinen Unterschieden im Boden. Manche Bereiche bleiben lockerer oder zeigen feine Strukturen, die auf ein Nest hindeuten.
Wer im Winter ein aufgerissenes Loch in einem Ameisenhaufen entdeckt, denkt manchmal zuerst an Beschädigungen durch Menschen oder Wildschweine.
Oft war dort jedoch ein Specht auf Nahrungssuche.
Nicht nur Spechte nutzen die Nahrungsquelle
Wenn ein Ameisenbau geöffnet wurde, bleibt das selten unbemerkt.
Kleinere Vögel nutzen solche Stellen oft ebenfalls. Rotkehlchen oder Zaunkönige suchen zwischen geöffneten Bereichen nach weiteren Insekten.
Auch größere Tiere profitieren manchmal davon. Wildschweine graben bei offenen Böden gezielt nach Larven oder anderen eiweißreichen Bestandteilen.
Im Winter wird fast jede zusätzliche Energiequelle interessant.
Ameisensäure und ein ungewöhnliches Verhalten
Ameisen liefern nicht nur Energie. Viele Vogelarten zeigen ein Verhalten, das zunächst seltsam wirkt.
Sie setzen sich direkt auf Ameisenhaufen oder nehmen einzelne Ameisen ins Gefieder auf. Dieses Verhalten wird „Einemsen“ genannt.
Forscher vermuten, dass die enthaltene Ameisensäure dabei helfen kann, Parasiten im Gefieder zu reduzieren.
Im Sommer wird dieses Verhalten häufiger beobachtet. Es zeigt, dass Tiere Nahrung oft nicht nur als reine Energiequelle nutzen.
Ein Ameisenhaufen ist mehr als ein Haufen Erde
Viele Menschen laufen im Wald an Ameisenhaufen vorbei, ohne ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Dabei gehören Waldameisen zu den wichtigsten Helfern im Ökosystem. Sie beseitigen Pflanzenreste, fressen Schädlinge und dienen gleichzeitig anderen Tieren als Nahrung.
Ein großer Ameisenhaufen kann Millionen Tiere beherbergen.
Verschwinden solche Kolonien, betrifft das nicht nur Ameisen selbst. Zahlreiche Tiere verlieren dadurch ebenfalls einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage.
Warum Naturschutz manchmal klein beginnt
Beim Thema Naturschutz denken viele zuerst an große Tiere. Wölfe, Luchse oder Greifvögel fallen sofort auf.
Kleine Tiere bleiben oft im Hintergrund.
Gerade Ameisen zeigen jedoch, wie eng alles miteinander verbunden ist. Eine kleine Veränderung kann sich auf viele andere Arten auswirken.
Wer einen Ameisenhaufen schützt, schützt damit oft deutlich mehr Tiere, als zunächst sichtbar wird.
Vielleicht wirkt ein Ameisenhaufen im Winter still und unscheinbar. Unter der Oberfläche kann sich gleichzeitig eine der wichtigsten Speisekammern des Waldes verbergen.
