Seniorenpferde richtig füttern: Ratgeber für fitte Oldies, so bleiben die Oldies gesund und munter

Seniorenpferde haben ganz besondere Ansprüche an ihre Lebensumstände und vor allem an ihre Ernährung. Wenn die grauen Haare um die Augen mehr werden und die Rückenlinie sich langsam senkt, wissen wir: Unser Partner tritt in den Ruhestand ein. Mit zunehmendem Alter verändern sich Stoffwechsel, Zähne und die gesamte Verdauungsleistung. Die Fütterung muss daher rechtzeitig und individuell angepasst werden, um Gewicht, Muskeln und die Energieversorgung stabil zu halten.

Nur wer die biologischen Veränderungen versteht, kann gesundheitliche Probleme wie Zahnverlust, Koliken oder Arthrose effektiv vermeiden. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du wissen musst, um deine Seniorenpferde richtig füttern zu können und ihnen eine hohe Lebensqualität bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Das „Senioren-Problem“: Was passiert im Körper?

Ab wann ein Pferd ein Senior ist, lässt sich nicht nur am Alter festmachen. Manche Warmblüter bauen mit 18 Jahren ab, während ein robustes Konik oder ein Pony erst mit 25 Jahren die ersten Anzeichen zeigt. Der Stoffwechsel wird langsamer und die Aufnahme von Nährstoffen über die Darmwand weniger effizient. Das bedeutet: Auch wenn das Pferd die gleiche Menge frisst wie früher, kommt weniger im Körper an. Besonders kritisch wird es, wenn die Zähne nicht mehr mitspielen.

1. Raufutter anpassen: Wenn Heu zum Problem wird

Raufutter ist und bleibt das wichtigste Element der Pferdefütterung. Doch ältere Pferde haben häufig Schwierigkeiten, grobes oder langes Heu ausreichend zu kauen. Man erkennt dies oft an den sogenannten „Heu-Wickeln“, die die Pferde wieder ausspucken.

  • Weiches Heu wählen: Um die Verdauung zu unterstützen und Zahnprobleme zu vermeiden, ist ein früherer Schnitt (weicher) oder staubarmes Heu ideal.
  • Heuersatzprodukte: Wenn das Kauen von Heu gar nicht mehr geht, sind Heucobs die Rettung. Eingeweichte Heucobs sichern die Zufuhr von Ballaststoffen. Da der Stoffwechsel im Alter Nährstoffe oft weniger effizient verwertet, ist die Wahl eines hochwertigen und leicht verfügbaren Mineralfutters für Pferde als Ergänzung zu den Cobs entscheidend, um Abbauprozessen und einem stumpfen Fell vorzubeugen.
  • Mash als Energielieferant: Ein warmes Mash kann zusätzlich Flüssigkeit und Energie bereitstellen und ist besonders leicht zu schlucken.

2. Kraftfutter für Senioren: Energie ohne Reue

Senioren benötigen oft nicht mehr die schnelle Energie eines Sportpferdes, aber sie brauchen hochwertige Proteine für den Muskelerhalt. Ein eingefallener Rücken oder eine schwindende Kruppenmuskulatur sind oft Anzeichen für einen Proteinmangel.

  • Leicht verdauliche Proteine: Achte auf essenzielle Aminosäuren wie Lysin und Methionin. Strukturierte Müslis speziell für Senioren sind oft thermisch aufgeschlossen und damit leichter verdaulich.
  • Öle für die Kalorien: Wenn das Pferd zu dünn wird, sind hochwertige Öle (z.B. Leinöl) eine tolle Möglichkeit, die Energiedichte zu erhöhen, ohne den Magen mit riesigen Getreidemengen zu belasten.
  • Stoffwechsel schonen: Zucker- und stärkearme Varianten sind besonders wichtig, um Krankheiten wie Cushing (PPID) oder EMS nicht zu provozieren, die im Alter gehäuft auftreten. Mehr dazu findest du in meinen Fütterungsgrundlagen für Pferde.

3. Mineralien und Spurenelemente: Der erhöhte Bedarf

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass ein Pferd, das weniger arbeitet, auch weniger Mineralien braucht. Das Gegenteil ist der Fall: Im Alter steigt der Bedarf an Calcium, Magnesium, Zink, Kupfer und Selen oft an.

Die Versorgung mit Spurenelementen wirkt sich direkt auf die Vitalität und die Regenerationsfähigkeit aus. Da das Immunsystem im Alter schwächelt, sollten wir es gezielt unterstützen. Erfahre hier, wie du das Immunsystem beim Pferd stärken kannst, um es vor Infekten zu schützen. Eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte durch den Tierarzt hilft zudem, Mangelerscheinungen frühzeitig zu erkennen, bevor das Pferd sichtlich abbaut.

4. Wasser und Salz: Die unterschätzten Faktoren

Seniorenpferde trinken oft weniger, da ihr Durstgefühl nachlässt. Das begünstigt schmerzhafte Verstopfungskoliken.

  • Winter-Check: Besonders bei Frost sinkt die Trinkbereitschaft drastisch. Biete den Senioren im Winter lauwarmes Wasser an. Ein Salzleckstein sollte immer verfügbar sein, um den Elektrolythaushalt zu stabilisieren und den Durst anzuregen.
  • Flüssiges Mash: Wenn dein Pferd ein schlechter Trinker ist, rühre das Mash sehr flüssig an – so „schmuggelt“ du wertvolle Flüssigkeit ins Pferd. Gerade bei extremem Wetterumschwung ist dies ein wichtiger Teil der Pferdegesundheit im Winter.

5. Besondere Tipps und Management im Alltag

Um Seniorenpferde richtig füttern zu können, braucht es auch ein angepasstes Management:

  • Häufigkeit: Füttere lieber 4-5 kleine Mahlzeiten als zwei große. Das entlastet den Magen-Darm-Trakt.
  • Ruhe beim Fressen: Senioren fressen oft langsamer. Sorge dafür, dass sie in der Herde nicht vom Trog vertrieben werden. Eventuell ist eine separate Fütterung nötig.
  • Gewichtskontrolle: Gewöhne dir an, dein Pferd regelmäßig abzutasten. Unter dem dicken Winterfell versteckt sich oft ein knochiger Rücken. Ein Body Condition Score (BCS) hilft dir dabei, objektiv zu bleiben.
  • Naturheilkunde: Unterstütze die Gelenke bei Arthrose mit Kräutern. Wenn der Senior im Winter auch unter Atemwegsproblemen leidet, kann ein pflanzlicher Hustensaft für Pferde Erleichterung verschaffen.

Seniorenpferde reagieren besonders empfindlich auf schnelle Umstellungen. Neue Futtermittel sollten immer über mindestens zwei Wochen eingeschlichen werden. Eine gut geplante Fütterung schützt vor Koliken, Blähungen und dem gefürchteten Leistungsabfall.

Fazit: Liebe geht durch den Magen – auch im Alter

Die Fütterung von Seniorenpferden erfordert Geduld und ein wachsames Auge. Wer die Besonderheiten älterer Pferde berücksichtigt und rechtzeitig auf Heucobs, hochwertige Mineralien und ausreichend Flüssigkeit setzt, wird mit einem vitalen Partner belohnt. Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie ein altes Pferd wieder aufblüht, wenn die Nährstoffversorgung endlich wieder passt.

Hast du auch einen Oldie im Stall? Welche Erfahrungen hast du mit Heucobs oder speziellen Senior-Müslis gemacht? Schreib es mir in die Kommentare!



Von Petra

„Tiere sind für mich echte Gefährten, die unser Leben reicher machen. In Herz mit Schnauze erzähle ich Geschichten über Fellnasen, ihre Eigenarten, Pflege und das, was Menschen und Tiere miteinander verbindet. Außerdem widme ich mich Themen wie Welt-Tiertagen und Tierschutz, um das Bewusstsein für unsere tierischen Freunde zu stärken.“